Reiseberichte
Die Schlange
von: literat
Unsere Versuche zur Intensivierung des Wirkungsgrades der natürlichen Bräunung verschlugen uns schließlich an den Gardasee. Der Versuchsaufbau sah folgendermaßen aus: Vicky sollte sich völlig unbewegt, quasi in einem ohnmachtähnlichen Zustand, im Wasser auf einem Schlauchboot treiben lassen, welches von mir bei einer konstanten Lufttemperatur von 37° C mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 18,3 km/h manuell fortbewegt wurde. Der Quotient aus maximaler Herzfrequenz sowie verwendetem Lichtschutzfaktor sollte hierbei unter Berücksichtigung der verlorenen Körperflüssigkeit Aufschluss über die Korrelation zwischen Vickys Bräunungsgrad und meiner Opferbereitschaft geben. Mit einem maximalen Puls von 196 bei Lichtschutzfaktor 12 kam ich hierbei auf einen Quotienten von 16,33. Nach gestreuter Verrechnung mit meinen körperspezifischen Merkmalen kam ich auf einen Wert von 12,5, was für einen Mann von meiner Statur ein, wie ich denke, normaler Wert ist. Bei Vicky war bei der Pulsmessung interessanterweise eine Art gaußsche Glockenkurve, ohne Linke Hälfte aufgetreten. Nach circa 20 minütiger Fahrt schnellte ihr Puls binnen weniger hundertstel Sekunden von 55 auf 238, um sich im Folgenden erst langsam zu erholen. Die intensive Sonneneinstrahlung bei konstant langsamer Blutzirkulation versetzte Sie in eine Art Trancezustand mit Halluzinationen. Sie berichtete später von plötzlich angreifenden grünen Seeschlangen und Ungeheuern, die Sie fressen wollten, was den rapiden Anstieg Ihre Pulsfrequenz erklärte. Ein kühles Eis ließ Ihre Sinne wieder zurückkehren.
Nachdem ich für Vicky unter Berücksichtigung aller Variablen den gleichen Wert als Ergebnis herausbekommen hatte, wie bei mir, wurde mir eins klar: Durch die Quotientenbildung unserer Ergebnisse würden wir 1 werden.
© Copyright 2005 literat